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Der Einsiedler und das Zedernholz

Ein Einsiedler der sich vor der Zivilisation zurück gezogen hatte bewohnte eine kleine Blockhütte. In dieser lebte er sein bescheidenes Leben um zu studieren und Erkenntnisse zu sammeln. Er hatte sie aus Zedernholz gebaut, dass er in der Nähe der Hütte in einem kleinen Zedernwald vorfand. Wenn nach einem strengen Winter wieder ein paar kleine Reparaturen anstanden, ging er in den Zedernwald und schlug einen Baum. Er nahm nur soviel er brauchte, um daraus ein paar Bretter oder ähnliches zu zimmern. Den Rest lies er liegen, damit auch andere sich an dem geschlagenen Baum bedienen konnten. So machte er es seit Jahr und Tag. Aber nicht nur um sich an diesem Zedernwald zu bedienen kam er dorthin, auch um zu spazieren, sich an dem wohltuenden Geruch der Bäume zu erfreuen und einen schönen Tag zu genießen. Er beobachtete, die Tiere des Waldes und die anderen Mitbewohner.

Doch der Einsiedler lebte nicht als Einziger in der Nähe des Waldes. Ein angrenzendes kleines Dorf, nicht unweit des Waldes hatte sich vor Zeiten angesiedelt. Es waren nette Menschen, die den Einsiedler in Ruhe ließen, da sie wussten wie wichtig seine Arbeit für ihn war. Er lebte dort oben und sie dort unten, alle im Einklang mit dem Zedernwald, denn auch manch ein Tischler kam schon mal um einen Baum zu schlagen um daraus einen Tisch oder Schrank zu zimmern. Auch die Bewohner des Dorfes nahmen nur so viel wie gerade sie brauchten, da sie wussten wie wichtig der Wald für sie war. Er spendete Holz, Ruhe und sorgte dafür das sich Tiere dort versteckten die sonst keinen anderen Platz fanden. So fanden die Bauern auch Nahrung vor, die sie am Leben erhielten und ein manches Fest wurde mit einem Wildbrett gekrönt.

Eines Tages kam ein Fremder in das kleine Dorf und bat um eine Heimat. Er wollte, genauso wie die anderen Einwohner sich ein kleines Haus bauen und sich eine Arbeit suchen um ein Teil der Gemeinschaft zu werden. Die Bewohner des Dorfes stimmten zu und hießen ihn herzlich willkommen. So machte er sich mit einer kleinen Axt auf um Bretter zu schlagen, damit er sich sein kleines Eigenheim bauen konnte. Er ging hoch zum Wald und setzte die Axt an und fällte einen Baum. Diesen hackte er ein kleine Bretter und ging zurück zum Dorf. Nach einem Monat hatte er das Haus fertig gestellt und war von seinem kleinen Werk sichtlich beeindruckt. Nun wolle er sich um eine Arbeit kümmern, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte er immer bei den freundlichen Nachbarn mit gegessen und wollte diese nicht mehr weiter zur Last fallen. So ging er in das Dorfzentrum und erkundigte sich nach einer Arbeit, aber überall gab es schon Tischler, Maurer und Bäcker. Auch ein Schneider, jemand der die Felder bestellte und ein Lehrer waren vorhanden. Alle Arbeit die es gab war schon von anderen Mitgliedern des Dorfes besetzt worden und selbst die Position des Einsiedlers war schon belegt. Nirgends fand der Mensch eine Arbeit und so zog er sich am Abend in seine neue Hütte zurück, um im Bett über dieses Problem nachzudenken.

Am nächsten Morgen stand er fröhlich auf, denn in der Nacht war im eine grandiose Idee im Traum erschienen. Wenn er keine Arbeit finden konnte, musste er sich einfach eine ausdenken und so nahm er seine kleine Axt und ging hinauf zum Zedernwald. Hier begann er drei Bäume zu fällen und sie in ordentliche Hölzer und Pfähle zu verarbeiten. Darauf hin grub er um den Wald tiefe Löcher und rammte die Pfähle, einem nach den anderen hinein. Nach einer Pause am Nachmittag, die er dazu genutzt hatte um im Dorf beim Schmied Nägel zu besorgen, begann er die Hölzer an die eingelassenen Pfähle zu schlagen. Er baute einen festen und stabilen Zaun um den Zedernwald. Zwar wunderten sich die Bewohner des Dorfes, warum man einen Zaun um den Wald zimmern sollte, doch taten sie die kritischen Gedanken damit ab, dass der neue Bewohner vielleicht nur die Tiere des Waldes schützen wollte. Denn schon oft kam es vor, dass einige wilde Wölfe ein Reh oder Wildschwein gerissen hatte, dass sich zu weit aus den sicheren Wald heraus getraut hatte. So gingen sie weiter ihrem Tagewerk nach und dachten sich nichts weiter dabei. Der Bewohner aber freute sich über seine Arbeit und ging am Abend mit einer frohen Laune zu Bett.

Am nächsten Tag wollte der Einsiedler ein paar kleine Äste für ein Feuer im Zedernwald besorgen gehen, denn er hatte vor sich eine Suppe zu kochen. So kam es, dass er am Waldrand auf den eifrigen Arbeiter traf und mit ihm ins Gespräch kam. Er würde gerne den Wald betreten um die Hölzer zu sammeln, hätte aber keine Lust um über den Zaun zu klettern. Der Rücken des Einsiedlers sei auch nicht mehr der Jüngste, dass müsste der Zaunbauer doch verstehen. Dieser nickte eifrig und zeigt auf ein Tor, dort könne der Einsiedler hinein und hinaus gehen wie es ihm beliebt. Da der Bewohner aber noch die Nägel vom Schmied bezahlen müsse, würde er ein kleines Eintrittsgeld verlangen um diese Schulden bezahlen zu können. Der Einsiedler schaute verwundert und dachte eine weile still in sich hinein. Auch wolle er in Zukunft dafür sorgen, dass der Zedernwald schön ordentlich gepflegt wird und einen Park anlegen, in dem die die Bewohner des Dorfes und natürlich auch der Einsiedler umherwandern könne. Auch er müsste ja einer Arbeit nachgehen und sich seine Mahlzeiten verdienen. Der Einsiedler nickte bei den Argumenten und übergab schließlich den kleinen Obolus. Auch die anderen Dorfmitglieder zahlten, wenn sie in den Wald wollten und auch wenn sich ein wenig Unmut breit machte sagten sie weiterhin nichts. Natürlich habe jeder das Recht einer Arbeit nachzugehen und das wollten sie niemanden absprechen, auch wenn diese Arbeit irgendwie nicht ganz in ihre Gemeinschaft passen wollte.

So vergingen einige Jahre und der Zedernwald veränderte sich stark. Zuerst bezahlte der Besitzer des Zerdernwaldes die Schulden beim Schmied. Danach fragte er den Jäger ob er nicht als Förster für ihn arbeiten wollte. Er könnte viel mehr verdienen, als bei seiner jetzigen Tätigkeit. Dieser willigte zu, denn die Verlockung war zu groß sich an dem Gewinn zu beteiligen. So handelte er auch mit dem Zimmermann, dem Gärtner und noch anderen. Viele Bewohner des Dorfes arbeiteten nun für den neuen Besitzer des Waldes und verdienten sich ihren Lohn. Die Arbeit unterschied sich in den meisten Fällen nicht von der vorigen, denn auch vorher haben sie schon als Tischler oder Ähnliches gearbeitet. So dachten sich die Mitarbeiter nichts dabei und wollten auch nicht die Kritiken der restlichen Mitglieder des Dorfes hören, die noch immer Eintritt für den Wald zahlen mussten.

Auch wuchs die Stadt in den letzten Jahren, denn es hatte sich herum gesprochen, dass der Zedernwald sehr schön gepflegt war und die Tiere man in Ruhe beobachten konnte. Das es etwas kostete störte sie nicht weiter, denn wer will schon einen unordentlichen Zedernwald, wo die Tiere hausten wie es sie beliebte, man über abgestorbene Bäume stolpern und sich den Fuß brechen konnte. Da hatten sie lieber Wege und jemanden, der darauf aufpasste, dass alles mit rechten Dingen vor sich ging. Was wollten sie schon von Freiheit hören, wenn sie sicher durch den Wald spazieren gehen konnten. So vergingen einige Jahre und die Kinder der Bewohner kannten den Wald nicht anders. Einige Alte erzählten am Kamin wie es damals gewesen war, wo jeder den Zedernwald betreten durfte und es keine Zäune, Parks und Wege gab. Wo Steine lagen, wie sie schon immer lagen und Bäume durch die Natur wuchsen wie sie wollten. Die Kinder lachten dann leise in sich hinein und gingen zu Bett ohne weiter über die alten Geschichten nachzudenken. Sie liebten den Wald wie er war und so sollte es auch bleiben, dass der Waldbesitzer sehr gut daran verdiente störte sie nicht im geringsten.

Doch es gab einen Menschen den es störte, dass der Wald sich so verändert hatte. Der Einsiedler saß alleine betrübt vor seiner kleinen Hütte und schaute hinunter zum Wald. Menschenmassen drängelten sich am Eingang und Buden schossen aus dem Boden wo man auch hinsah. Überall Trubel und geschäftliches Treiben. Es gab keine Stelle, wo nicht mindestens ein Mensch war der ein Geschäft betrieb oder den Zedernwald besuchen wollte. Er schüttelte den Kopf und sehnte sich an die alten Tage, wo er ungebunden und frei im Wald spazieren konnte und es überkam ihn eine unsägliche Traurigkeit die ihn dazu veranlasste zurück in seine Hütte zu gehen und seine Sachen zu packen. Nach einiger Zeit stand er wieder am Hauseingang und dreht sich noch einmal dem Zedernwald zu. Bedrückt schloss er seine Hütte ab und nahm ein kleines Stück Holz von der Bank, auf der er so oft gesessen hatte und steckte es sich in seinen Reisebeutel. Er hatte nicht viel eingepackt, nur das notwendigste. Ein wenig zu essen und um sich unterwegs zu waschen. Zwei drei Bücher die er liebte und das kleine Stück Zedernholz an dem so viele Erinnerungen hingen. Er ließ das Dorf, dessen Bewohner und den erfolgreichen Geschäftsmann zurück, um einen neuen Zedernwald zu finden. Dort wolle er ich wieder ein kleines Häuschen bauen und seinen Lebensabend in Ruhe und Freiheit zu verbringen. Immer mit der Möglichkeit im Hintergedanken, dass er in den Wald gehen konnte, wann immer es ihm beliebte.