AI Graduierungszeremonie in Helsinki

Danksagung

Manchmal geht das Leben sehr seltsame Wege. Durch einen Zufall habe ich von einem Online-Informatik-Kurs im Bereich Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen gehört, mich angemeldet und bestanden. Bis dahin alles ganz normal. Dann bekam ich eine Nachricht von der Universität Helsinki, die mich und andere Absloventen des Kurses auszeichnen wollte. Da ich gerade keine Mittel für so eine Reise zur Verfügung hatte, nahm meine Schwester das Heft in die Hand und organisierte eine Reise, veröffentlichte Statusmeldungen auf sozialen Kanälen, richtete eine Spendenplattform ein und trommelte Helfer/Innen zusammen, die sich an den Kosten beteiligten. Ihr gilt mein größter Dank.

Natürlich gebührt aber auch meine Dankbarkeit den Unterstützer/Innen, die (teilweise ohne mich zu kennen) diese Reise finanzierten. Ich hatte nicht mit so einem Feedback gerechnet, und an manchen Stellen war ich schier überwältigt, wie viel positive Energie diese zurückgaben, ohne etwas dafür zu verlangen. Ich kannte das von LetsPlayern, die mal ihre Community angehauen haben, sich an irgendeinem Projekt zu beteiligen. Das aber mal selber zu erfahren, war wunderschön und seltsam zugleich. Da sich niemand per Mail gemeldet hat, um namentlich genannt zu werden, fühlt euch einfach digital gedrückt. Ein Spender, der fast die Hälfte der Reise alleine finanziert hat, soll hier euch noch einmal extra hervorgehoben werden. Danke dir.

Mein Dank geht auch an alle, die die Infos im Netz verteilt haben, Empfehlungen für Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten per Mail, Twitter und Facebook sendeten, oder in unterschiedlicher Form sich an dem Projekt beteiligt haben. Ihr seid wirklich wunderbar und ihr gebt mir die Hoffnung zurück, dass diese Menschheit doch nicht so schlimm sind, wie alle sagen. Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Artikel (und noch einem anderen) wenigstens einen Teil zurückgeben kann.

Zuletzt möchte ich mich außerordentlich bei dem Staatspräsidenten der Republick Finnland Herrn Sauli Niinistö, dem Rektor der Universität Helsinki Jari Niemelä, dem außerordentlichen Professor Teemu Roos und der Direktorin of AI bei Reaktor Hanna Hagström bedanken. Ohne diese Initiatoren, Veranstalter und Organisatoren wäre ich warschinlich nie nach Helsinki gereist.

Robert

Auf nach Helsinki

Meine Reise begann ganz unspektukalär am Düsseldorfer Flughafen. Nachdem ich die Kontrollen passiert und eingecheckt hatte, musste ich ca. noch eine Stunde auf meinem Flug warten. Ich verbrachte die restliche Zeit damit in einem Zeitschriftenladen nach Magazinen zu stöbern, etwas zu frühstücken und einigen Maschinen beim Starten und Landen zuzuschauen. Nach dem Onboarding wurden wir mit einem Shuttlebus zum Flugzeug transportiert, wo uns schon die wirklich freundlichen Mitarbeiter/Innen der Finnair Fluggesellschaft erwarteten. Auf dem Flug passierte nichts besonderes und nach zwei Stunden bin ich schon am Helsinki Airport angekommen. Von dort aus bin ich dann mit dem Zug Richtung Innenstadt gefahren und habe mir die nötigen Tagestickets gekauft. An der Uni habe ich mich noch ein wenig umgesehen, damit ich mich morgens vor der Zeremonie mich nicht verlaufe und zu spät komme.

Das gebuchte Forenom Hotel war ordentlich und nur der Eingang war ein wenig dreckig wegen der ganzen alten Kippen. Innen war alles sauber, die IKEA Möbel (ich bin extra unter den Tisch gekrabbelt, um das nachzuschauen) waren sauber und heil und auch Dusche und Bad wurden jeden Morgen gereinigt. Es war einfach eingerichtet, hatte einen Wasserkocher, Kaffeemaschine und Gemeinschaftsküche (die ich aber nie benutzt habe). Einige Minuten weiter gab es einen Supermarkt, bei dem ich Dinge für das Abendbrot einkaufen konnte und musste mit Schrecken feststellen, wie billig Nahrungsmittel in Deutschland sind. In Finnland kann man für einen kleinen Kuchen schon 9-12 Euro bezahlen. Auch eine Flasche normaler Sprudel kostet 1,99€ und war, wie ich später erfuhr, die billigste Marke. Da ich die Vornacht eh nur drei Stunden schlafen konnte, bin ich dann auch schon um 19:00 Uhr ins Bett gefallen.

Am nächsten Morgen war ich schon so nervös, dass ich das Frühstück ausfallen lassen habe und sofort nach dem Duschen und meinem Anzug in die Stadt gefahren bin. Dort traf ich dann schon sehr früh ein und musste noch ein wenig in der Vorhalle (mit rotem Teppich und sehr vielen Personen) warten. Da einige von den Ausgezeichneten auch aus Finnland stammten war es zum Glück ein wenig uriger. Wie ich später noch erfuhr, sind Finnen unglaublich introvertierte, kühle und wortkarge Menschen. Das macht sie für mich unglaublich sympatisch, denn Finnen mögen (genau wie ich) keinen überflüssigen Smalltalk.

Ca. eine halbe Stunde vor dem Eintreffen des Staatspräsidenten wurden die großen Türen der Halle geöffnet und alle konnten sich in Ruhe einen Sitzplatz suchen. Da ich im Kino auch immer Loge sitze, habe ich mich diesmal auch daran orientiert. Vorne standen der Dekan der Universität Helsinki, ein außerordentlicher Professor und die Projektleiterin von Reaktor und machten neben ein paar Selfies (Finnen sind vernarrt in Selfies), gaben den technischen Mitarbeitern noch einige Anweisungen und gingen mit den Studenten und den Gästen die Zeremonieregeln durch. Wenn der Staatspräsident eintrifft, darf niemand sprechen und alle müssen langsam aufstehen. Dann wartet man, bis der politische Gast den Verwantwortlichen die Hand geschüttelt hat und sich hinsetzt. Erst dann darf man sich auch wieder hinsetzen. Ich fand die Stimmung in der Zeremoniehalle schon sehr erhaben und beeindruckend.

Nachdem der Staatspräsident eingetroffen war, wurde das Programm zügig abgehalten. Zuerst gab eine Akapellagruppe der Universität Helsinki ein Stück zum besten. Leider habe ich kein Wort verstanden, weil dafür meine einfachen Finnischkenntnisse nicht ausreichten. Danach sprachen hintereinander der Dekan der Universität, der Staaspräsident und der außerordentliche Professor über das Projekt. Brachte Sie Vorschläge ein, wie die finnische Regierung künstliche Intelligenz und Maschinenlernen für die Gesellschaft einsetzen kann und was der Onlinekurs auch für die Zukunft der Universitäten und der Wirtschaft bedeutet. Stellvertretend für die Ausgezeichneten wurden vier (finnische) Studenten nach vorne gerufen, die Brosche angesteckt und eine Rose überreicht. Das konnte ich nachvollziehen, da der Staatspräsident noch andere wichtige Termine hatte und nicht warten konnte bis 100 Studenten ausgezeichnet worden waren.

Zuletzt gab die Akapellagruppe noch eine Darbietung und diese muss witzig gewesen sein, denn ich verstand Mikrokontrolli und einige Gäste lachten an manchen Stellen. Danach gab es noch eine Präsentation der Reaktor-Projektmanagerin Head of AI Hanna Hagström die einige Ergebnisse des Studiengangs aufzeigte. In Zukunft soll der Kurs auf Finnisch (gab es bisher nur auf Englisch) und Niederländisch veröffentlicht werden. Auch wurde noch darüber referiert, wie man Gesundheitsdaten und künstliche Intelligenz unter einen Hut gebrachte werden könnten. Das war ein wenig gruselig, weil ich eher abgeneigt bin meine Daten Firmen zur Verfügung zu stellen. Das ist aber meine private Ansicht, und ich muss zugeben, dass Maschinenlernen und künstliche Intelligenz auch wegen ihrer kontroversen Diskussionsgrundlage ziemlich spannende Themenfelder sind.

Nach ca. drei Stunden wurde dann allen beim Verlassen der Halle vom Dekan die Broschen und Rosen überreicht. Es ging jetzt quer über den Senatsplatz), um auf der Treppe vor dem Dom noch ein Gruppenfoto zu machen. Insgesamt war es eine ziemlich heterogene Gruppe. Frauen und Männer waren fast gleich vertreten, es gab Studenten aus unterschiedlichen Ländern in sehr vielen Sprachen. Auch wenn Finnen sich insgesamt nur mit 2% am Kurs beteiligt hatten, waren doch sehr viele vor Ort (ist billiger gewesen, wenn man schon in Finnland lebt). Die Stimmung war sehr positiv und entspannt und auch wenn Menschen aus Finnland als gefühlskalt gelten, können sie doch recht viel Spaß haben. Ich konnte einige kurze Gespräche führen, musste aber zugeben, dass das für meinen Geschmack schon sehr viele Menschen am einem Tag waren. Nach dem Foto ging man dann in kleinen Gruppen auseinander und wurde noche einmal vom außerordentlichen Professor an die Party am Abend erinnert.

Um mich zu entspannen, machte ich mich zügigst zu einen kleinen Spaziergang auf und habe mir die Stadt Helsinki noch einmal in Ruhe angeschaut. Da ich nicht die ganze Zeit mit einer Rose in der Hand durch die Gegend laufen wollte, habe ich diese an einem Denkmal (von Zacharias Topelius) abgelegt. Helsinki ist eine wirklich wunderschöne Stadt, die man sich auch komplett an einem Wochenende anschauen kann. Wenn man sich nicht wie ein typischer Ballermanntourist benimmt, begegnen einem die Städter auch zuvorkommend und höflich. Persönlich sind mir dort zu viele Autos unterwegs und stinken mit ihren Abgasen die Luft zu, denn gerade die Seeluft empfand ich als sehr angenehm. Ich hatte keine allergischen Reaktionen oder andere Atembeschwerden (Die Autoabgase im Ruhrgebiet übertreffen die Werte in Helsinki dann leider doch um einiges).

Was ich Besuchern die diese Stadt unbedingt empfehlen möchte, ist sich einen Tag für den Hafen Zeit zu nehmen. Auf dem Foto sieht man die Hinterseite mit ganz vielen Restaurants und Cafés, die alle (teuer), aber dafür auch unglaublich lecker sind. Es gibt Rundfahrten mit Booten, einen Fisch- und Touristenmarkt und die Markthalle ist zwar klein aber das Angebot dort ist überragend. Dort kann man auch Elchfleisch in Dosen und andere Geschenke für seine Verwandten kaufen. Auch gibt es ein Riesenrad (nicht besucht, weil viel zu große Höhenangst) und eine riesige Promenade. Vom Hafen aus kommt man gut zu Fuß in die Innenstadt und kann sich dort die unzähligen Jugenstil-Denkmäler und Brunnen anschauen oder in den Passagen einkaufen gehen. Ich habe nur gebummelt, weil die Preise fast so hoch wie z.B. in Berlin oder München sind. Außer T-Shirts. Die gibt es fast zum Einkauspreis.

Was mir bei einigen Gesprächen aufgefallen ist, ist wie hoch die Allgemeinbildung der Stadtbevölkerung von Helsinki ist. In Finnland ist man es gewohnt, auch als z. B. Arbeiter nebenbei zu lernen. ich habe mich mit einem Fischer über Informatik unterhalten, mit einer Kioskbesitzern (die fließend Deutsch sprach, weil ihre Tocher in Deutschland studiert) und war überrascht, dass in einem Laden (siehe Foto unten) für Kinder von 4-12 Jahre auch Mikroskope angeboten wurden. Auf die Frage an die Besitzerin, ob diese sich auch gut verkaufen, wurde ich verwundert angeschaut: Natürlich! Wie sonst sollen Kinder lernen, wie wissenschaftlich gearbeitet wird?. Finnen erachten es für selbstverständlich selbstständig zu lernen und sich weiterzubilden. Man erkennt da schon gravierende Unterschiede zur Bildunsgpolitik gegenüber anderen Ländern in Europa.

Was mir auch an Helsinki aufgefallen ist. Diese Stadt ist wirklich sehr sauber. Man sieht fast keine Grafitty, Streetart, Müll oder andere Beschädigungen. Zum Leidwesen meines empfindlichen Gehörs scheint aber der Sommer die Zeit der Renovierungen zu sein. Überall wird geschraubt, gehämmert, Wände eingerissen und Fassaden neu verputzt. Es ist in manchen Vierteln eine sehr laute Stadt. Da ich gerne Städte auf eigene Faust erkunde, bin ich die meiste Zeit ohne ein wirkliches Ziel umhergelaufen. Dabei habe ich mir alte Backsteinkirchen (oder aus Holz) angeschaut, bin durch das Künstler- und Designviertel geschlendert, habe mir die Architektur im Regierunsgviertel angeschaut. Ich bin um 18:00 Uhr zwar noch einmal vor der Kneipe aufgetaucht wo die Aftershow Party stattfand, aber es waren mir viel zu viele Menschen anwesend. Da ich eh keinen Aklohol trinke, nicht rauche und auch eher ungerne Sozialkoversation (Smalltalk) betreibe, bin ich dann noch etwas essen gegangen und dann wieder ins Hotel gefahren, um mich einfach aufs Bett zu legen und den Tag Revue passieren zu lassen.

Den Freitag habe ich dann wie ein richtiger Tourist verbracht (es gibt einen weiteren Artikel, indem ich einige Sehenswürdigkeiten noch genauer beschreiben werde) und mir übertrieben viele Museen angeschaut. Zwischendurch war ich Kaffee trinken, habe einige Postkarten für die Familie und Kleinigkeiten geshoppt und am Abend dann meine Tasche für den Rückflug gepackt.

Insgesamt waren das drei wunderbare Tage in Helsinki und ich muss mich hier noch einmal bei allen UnterstützerInnen bedanken. Ohne euch wäre das alles nie möglich gewesen. Für mich steht aber auch fest, dass das nicht mein letzter Besuch in Helsinki war und ich mir auch Finnland noch genauer anschauen möchte. Diesmal dann aber aus eigener Tasche.